Freitag, 27. Februar 2015

play it: Resident Evil (orig. バイオハザード, Baiohazādo) von Capcom (2005 bis 2015)

Seit meine Kumpels und ich bei einem Zockabend vor 18 Jahren panisch durcheinander schrien und alle Munition ins Leere ballerten, weil im Gang des Herrenhauses vor und hinter uns Zombie-Hunde durch das Fenster gesprungen kamen, bin ich ein Fan der Resident Evil-Games von Capcom. Hier gibt es den 2. Teil meiner Reviewreise durch eine der besten Spieleserien aller Zeiten (Die erste Hälfte gibt's hier).
 

Resident Evil 4 (2005): Game of the Year


Mit RE4 hat Mikami den Survival Horror in die nächste Konsolengeneration geführt

Fünf Jahre und mindestens vier Anläufe brauchte es, bis Capcom die RE-Geschichte mit einem offiziellen vierten Teil fortführte. Die erste Version von Hiroshi Shimada war eine Button-Mashing-Orgie, bei der ein weiß haariger Leon S. Kennedy mit Schwert und Revolver auf Dämonenjagd ging. Shinji Mikami überzeugte Capcom davon, mit Shimadas Spiel eine unabhängige Serie zu starten (Devil May Cry) und bot an, das Projekt zu übernehmen. Auch er wählte Leon als Hauptfigur, ließ diesen zuerst durch ein Spukschloss vor einem  mysteriösen Nebel fliehen, dann von einem Virus infiziert auf der Suche nach einem Gegenmittel Schritt für Schritt dem Wahnsinn verfallen.

Wii-Version hat alle Modi
Letztlich entschied Mikami sich aber für eine Version, in der der Raccoon City Polizist mit einem Tag Berufserfahrung die entführte Tochter des US-Präsidenten aus den Händen des Los Iluminados-Kultes befreien soll. Die Spur führt in ein entlegenes spanisches Dörfchen, dessen Bewohner von spinnenartigen Parasiten, dem machthungrigen Lord Saddler und einem sarkastischen Napolenkind kontrolliert werden.

Resident Evil 4 machte alles anders als seine Vorgänger: Aus Pre-Rendered Survival Horror wurde ein packender Over-the-Shoulder Action-Shooter, es gab automatische Checkpoints und Level, statt vereinzelte Speicherpunkte, Leon konnte ein ganzes Arsenal Waffen tragen und diese durch im Spiel gefundenes Geld beim örtlichen Waffenhändler aufrüsten - "Welcome!" Vor allem aber gab es keine Zombies mehr, sondern die schlaueren Granados, Dörfler, die sich organisierten, mit Leitern übers Dach in die Hütte einstiegen, in der man sich verschanzt hatte, oder gleich einen Hillbilly-Kumpel mit Motorsäge holten, um die blockierte Tür aufzubrechen.
 

Dieser Teil der Serie erschien erstmals auf allen Systemen (xbox, nintendo und sony), verkaufte sich insgesamt 7,4 Millionen Mal und wurde verdient mit dem Game of the Year Award 2005 ausgezeichnet. Mikami hat mit RE4 den Survival Horror in die nächste Konsolengeneration geführt und ohne Übertreibung ein Meisterwerk abgeliefert. Allein der Mercenary Modus, der in vielen deutschen Versionen der Zensurschere zum Opfer fiel (holt euch am besten die EU-Version für die Wii), ist den Kauf des Spiels schon wert. 
 

Die Shooter: Gun Survivor-Serie (2000/2001/2002/2003), Umbrella Chronicles (2007) & Darkside Chronicles (2009)

 

Umbrella Chronicles: Spielhallenspass für daheim
Die frühen Resident Evil Shooter sind nicht mal etwas für Hardcore Fans: Wer an der Serie den Survival Horror liebt, kommt bei den stumpfen First Person Ballereien ebenso wenig auf seine Kosten, wie die, die sich auf jedes Story Puzzlestück im RE-Universum stürzen.
GS1 wegen Columbine-Amoklauf in USA ohne Light Gun
Ingesamt vier Shooter brachte Capcom in Japan unter dem Serientitel Biohazard Gun Survivor heraus. Der erste (2000) und vierte  (2003) waren Off the Rail Lightgun Shooter, mit Ballersequenzen im festen Bildschirm und manueller Steuerung durch die Level. Die Grafik war lieblos und die Geschichte von Ark Thompson aka Vincent (Resident Evil Survivor), der auf einer Versuchsinsel von Umbrella aufwacht und sein verlorenes Gedächtnis wiederfinden will, oder die von Bruce McGivern (Resident Evil: Dead Aim), der  auf einem Zombie-Kreuzfahrtschiff den französischen Umbrella Angestellten Morpheus Duvall hinterher jagt, einfach dumm. Nur ein wenig mehr Spass machten Survivor 2 Code Veronica (2002), die Spielhallenversion des RE-Dreamcast Hits, und Dino Stalkers (2003), eine First-Person Auskopplung der Capcom-Survival Horror Serie Dino Crises. Aber auch hier muss man sagen: Railshooter funktionieren nur, wenn man sie auf einem großen Monitor erlebt und genug Platz hat, mit zwei Lightguns den Bildschirm leerzuräumen.

Makeover für deine Wii Remote
Und als Capcom 2007 die Umbrella Chronicles und zwei Jahre später die Darkside Chronicles herausbrachte, hatten die meisten Gamer diese Möglichkeiten auch zu Hause. Auf der Wii konnte man mit den beiden Titeln die ganze Geschichte vor RE4 noch einmal in aufpolierter Grafik und als Shooter durchzocken, die Abenteuer mit bekannten Nebencharakteren, wie Wesker, Ada und Hunk, aus neuen Perspektiven erleben, und zudem exklusive Szenarien spielen, die zum Niedergang der Firma Umbrella oder dem Zwist zwischen Leon Kennedy und seinem späterer Erzfeind Krauser führten. Railshooter sind nicht jedermanns Sache. Aber immer gut, wenn Gäste etwas anzocken wollen, was keine 25 Stunden Durchspielzeit oder eine komplizierte Steuerung braucht. Und für alle, die noch ein paar RE-Bildungslücken aus der Pionierzeit zu schließen haben, lohnt sich der Download der HD-Versionen allemal.

 

Resident Evil 5 (2009): Ich halt das Pad für dich warm - endlich Koop


Hinsehen, Handeln, Hilfe holen: Kölner lassen keinen allein!
Capcom wollte in Teil 5 zur Wiege der Menschheit zurückkehren und diese auch als Wiege der Umbrella-Virusforschung vorstellen. In einer der ersten Demoversionen ballerte und prügelte sich  dann ein weißer Muskel-Dude in Militärkleidung den Weg durch eine Truppe marodierender Township-Bewohner. Zugegebenermaßen war das aus unserer Perspektive ein recht grenzwertiger Umgang mit rassistischen Klischees. Aber ich nehme der Spielefirma ab, dass sie ihre Zombie-Games nicht bewusst mit plumpen, politischen Botschaften vollpacken.

Welcome to Africa, Chris!
Und mal ehrlich: Die spanischen Dörfler in Teil 4, die Eddie Murphy Blödeltype und der schweigsame Riesenrusse mit Cyberauge, die eigentlich in RE1 auftreten sollten, oder so ziemlich jeder Charakter in Capcoms hauseigener Beat 'em up-Serie Street Fighter kommen dahingehend auch nicht besser weg.

In der fertigen RE5-Version gab es dann aber eine afrikanische Partnerin (Sheeva Alomar) für Chris Redfield sowie Gegner aller Formen und Farben. Die beiden stehen im Dienst der BSAA (Bio-Terrorism Security Assessment Alliance)  und kämpfen gegen den inzwischen weltweit boomenden Handel mit bio-organischen Waffen (BOW). In einem fiktiven Afrikastaat  jagen sie den Terroristen Irving, der gemeinsame Sache mit dem RE-Oberschurken Albert Wesker macht - und mit dem haben wir bekanntlich noch einige Rechnungen offen.
Buy Gold!
In diesem Teil erreicht der Zockspaß durch den neuen Teamup-Modus eine neue Dimension. Das ganze Spiel und der Mercenary Modus lassen sich entweder online oder Schulter an Schulter auf der Couch im Team durchzocken. Schon auf der PS2 gab es die Resident Evil Outbreak Serie, bei der mehrere Spieler gleichzeitig ums nackte Überleben in Raccoon City kämpften. Ich habe es damals Dank fehlender Sony Infrastruktur in Europa leider nicht spielen können. Aber in Teil 5 klappt es endlich: Man gibt dem Partner mit dem Scharfschützengewehr vom Dach aus Deckung oder lockt Minibosse in die Kreuzfeuerfalle. Spielt man allein, übernimmt der Computer den Partner, und dessen KI ist im Gegensatz zu der in RE-Zero eine echte Stütze. Wer Koop-Spiele mag muss sich RE5 einfach kaufen: Holt euch gleich die Gold Edition, mit zwei Nebenschauplatzkapiteln für einen erweiterten Storymodus und neuen Charakteren für die Söldnermissionen.
 

Resident Evil 6 (2012): Action, die langweilt


Von Quicktime Event zu Quicktime Event
Ich habe fast ein Jahr gebraucht, um das Spiel durchzuzocken. Nicht weil es zu schwierig ist, sondern weil mich die Geschichte überhaupt nicht gepackt hat.

What's wrong with your face?
Es gibt bei RE6 vier unterschiedliche Szenarien in denen alte Bekannte (Leon Kennedy, Ada Wong und Sherry Birkin aus RE2 oder Chris Redfield) und ihre farblosen  Sidekicks versuchen, Terroranschläge der Neo-Umbrella-Gruppe in China, Osteuropa und den Vereinigten Staaten zu vereiteln. Die Story ist überhaupt nicht nachvollziehbar - aber das war auch nicht die Intention der Macher. Denn bei RE 6 geht es darum, sich von einem Quicktime Event zum nächsten zu hangeln, nicht die Orientierung bei der wild rotierenden Kamera zu verlieren und immer wieder ein überschaubares Areal von mutierten Supersoldaten zu säuber. Keine Puzzles, kein Muni-Poker, keine Athmosphäre: Alle Neuerungen, von der unübersichtlichen Menuführung in cooler Smartphone-Optik bis hin zu den 100 Spezialfertigkeiten, die man sich mühsamst erspielt, um dann immer nur drei davon ausrüsten zu können, sind einfach nur frustrierend.

Nichts für Survival Horror-Fans
Ein letztes Horror-Glimmen gibt es in der Leon-Kampagne, aber dann setzt man mit Anlauf zur tödlichen Blutgrätsche in einen Mob aus fünf Zombies an und sammelt unbeschadet stapelweise Munipäckchen ein. Spätestens jetzt wird klar: Resident Evil ist kein Survival Horror mehr. Capcom wollte es mit seinem Hybrid aus Resident Evil und Call of Duty allen Recht machen und noch mehr Geld verdienen. Aber das Spiel konnte weder mit aktuellen Taktik-Shootern, noch mit der Konkurrenz im Survival Horror-Genre mithalten und verkaufte sich deshalb auch "nur" 5 Millionen Mal (1,7 Millionen Kopien weniger als der Vorgänger RE5). Vielleicht zieht Capcom ja die richtigen Schlüsse daraus und bringt parallel zu actionlastigen Titeln wie RE: Operation Raccoon City auch wieder echte Gänsehautspiele heraus. Angeblich soll die Spinn Off-Serie Resident Evil Revelations wieder mehr zu den Genre-Wurzeln zurückkehren.


Resident Evil Revelations 2: Die Rückkehr des Terrors

Stealth Kill im Man Hunt Knast: RE Revelation 2
Bislang sind nur zwei Kapitel von RE Revelations 2 spielbar, aber der erste Eindruck stimmt mich geradezu euphorisch. Bei einer Feier von Terra Save, einer Organisation, die sich um die Opfer des sich weltweit ausbreitenden Bioterroismus kümmert, werden Claire Redfield und Moira Burton betäubt und entführt. In einer verfallenen Haftanstalt kommen die beiden wieder zu sich und versuchen zu entkommen. Dabei merken sie, dass jeder ihrer Schritte durch Kameras und einen Armbandsender festgehalten wird. Zudem geistern an diesem Ort die Ergebnisse grausamer Menschenexperimente durch die Gänge. Und hinter all dem steckt ein Schurke, dessen Auftritt aufmerksame Fans seit Jahren herbeisehnen.
Barry & die geheimnisvolle Natalia: Wer da nicht an ICO denkt

Das Spiel macht vieles besser als der letzte Teil der Hauptserie. Die Geschichte ist packend, voller Schock-Cliffhanger und selbstironischem Humor (Almost a Claire Sandwich/Who's the Master of Unlocking now?), Atmosphäre und Soundtrack sind absolut unheimlich. Immer wieder passiert lange Zeit gar nichts, entferntes Schreien, Stöhnen und Hämmern, dann bricht plötzlich der Terror los. Die Charaktere sind hart im nehmen, aber hoffnungslos unterlegen. Also heißt es wegrennen und eine gute Position zum Nachladen und Feuern einnehmen. Natürlich nur, wenn man nicht wie Moira eine Abneigung gegen Schusswaffen hat und deshalb nur mit einer Taschenlampe (Alone in the Dark 3) und einer Brechstange (Silent Hill) in die Schlacht zieht. Überhaupt hat sich Revelations 2 die richtigen Dinge von Vorgängern und Genrekollegen abgeschaut: Setting und Gengerdesign (inklusive Pyramid Head) scheint aus den Folterkammern der Hölle entsprungen (Silent Hill), man kann sich anschleichen, es gibt einen Stealth-Kill, Gegner können durch geworfene Ziegelsteine abgelenkt werden und (sobald Moiras Vater Barry Burton und das mysteriöse Kind Natalia dazu stossen) eine spannende Vater-Tochter-Aktion-Story (alles wie in The Last of Us). 25 Euro kostet das Spiel gerade im Download. Alle paar Tage werden Modi und neue Level freigeschaltet. Glaubt mir: Das lohnt sich - Best Bang for your Bucks.

 

Mein Resident Evil Ranking (Ohne Revelations 1)

 

1. Resident Evil 2
2. Resident Evil 1 (Remake)
3. Resident Evil 4
4. Resident Evil Revelations 2
5. Resident Evil 5 (Let's Team Up! PS-Network Name: Denki-Kawaraban)
6. Resident Evil Code Veronica
7. Darkside Chronicles
8. Resident Evil 3
9. Resident Evil Zero
10. Resident Evil Operation Raccoon City (Let's Team Up! PS-Network Name: Denki-Kawaraban)
11. Umbrella Chronicles
12. Resident Evil 6
13. Resident Evil Gun Survivor(1-4)
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Montag, 23. Februar 2015

Read it: Roboter in Japan von Alexander Wißnet

Wenn eine Nation wirklich alles gibt, um meinen Kindheitstraum einer voll robotisierten Zukunft wahr werden zu lassen, dann sind es die Japaner. Dahinter steckt allerdings mehr als nur der Wunsch, Marktführer in dem Bereich zu werden. Der Japanologe Alexander Wißnet hat Ursachen und Hintergründe dieses Phänomens erforscht und in einem Buch für Technik- und Sci-Fi-Fans, die Lust auf eine Reise durch 300 Jahre japanischer Robotergeschichte haben, zusammengetragen.
Read it: Wißnets Roboter in Japan
Anfang des Jahres hat die Regierung in Tokyo einen 5-Jahres-Plan zur "Verwirklichung der Roboterrevolution" verabschiedet. Und ein Blick auf die Modelle der vergangenen Jahre macht deutlich, wohin diese Reise gehen wird, enn Japan stirbt seit 2007 offiziell aus und baut auf mechanische Diener, um Versorgungsengpässe im Pflege- und Service-Bereich abzufedern. Wißnet analysiert, warum die Japaner dafür prädestiniert sind, die Vorreiterrolle in der weltweiten Robotisierung zu übernehmen und wie die Ingenieure es schaffen wollen, die natürliche Abneigung gegen allzu menschliche Maschinen zu umgehen. Das Buch ist ein Faktenschatz für nerdige Japan und Technikfans. Absolut Lesenswert.

Interessiert dich das Thema? Dazu gibt es auch Denki-Kawaraban-Beiträge
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Sonntag, 1. Februar 2015

play it: Resident Evil (orig. バイオハザード, Baiohazādo) von Capcom (1996 - 2002)

Seit meine Kumpels und ich bei einem Zockabend vor 18 Jahren panisch durcheinander schrien und alle Munition ins Leere ballerten, weil im Gang des Herrenhauses vor und hinter uns Zombie-Hunde durch das Fenster gesprungen kamen, bin ich ein Fan der Resident Evil-Games von Capcom.

Play it: Resident Evil von Capcom
Die Spiele sind interaktive Horrorfilme mit allen Elementen, die auch bei B-Klasse Filmen dieses Genres funktionieren: eine einfache Geschichte, explizite Gewalt, Survival-Action und ein Schuss unfreiwillige Komik. Um die nötige Spannung zu erzeugen, wird man durch Schockeffekte, Puzzles unter Zeitdruck, kaum Speicherpunkte, wenig Muni und viel zu viele Gegner zur Verzweiflung getrieben. Deshalb nennt man das Genre Survival Horror.


Aus Sweet Home wird Resident Evil


Kreativer Kopf hinter der Serie ist Shinji Mikami, der 1996 den Auftrag bekam, ein Sequel zum Super Nintendo Geisterhausspiel Sweet Home zu entwerfen. Da er bis dahin ausschließlich Disney Games für den japanischen Markt produziert hatte, schaute er sich einige von Romeros Zombie-Klassikern an und entschied, die Geschichte auf menschenfressende Untote und missglückte Biowaffen- Experimente umzumünzen. Herausgekommen ist der erste Teil der Biohazard-Reihe, die bei uns dann in Resident Evil umbenannt wurde. US-Capcom wollte damit das Risiko einer Klage durch die gleichnamige Hard Rock-Band vermeiden. Und da auf dem Türschild im Spiel Sweet Home "Welcome to the House of Residing Evil" zu lesen war, wurde aus "Baiohasaado" Resident Evil.

Mittlerweile gibt es 86 Games der Serie, von denen mehr als 62 Millionen Kopien über die Ladentheke gingen, stapelweise Filme, Comics, Romane, ein 4D Kino in Kobe und sogar ein Themen-Restaurant in Tokio. Und da Resident Evil 1 vor ein paar Tagen für die aktuelle Konsolengeneration herausgekommen ist, nutze ich die Gelegenheit zu einer Reviewreise durch eine der besten Spieleserien aller Zeiten.

Resident Evil 1 (1996): Wow, what a mansion!



Der Hundeangriff, der mein Leben veränderte
RE1 ist fast 20 Jahre alt. Und obwohl Serien wie Silent Hill und Dead Space die Schock-Messlatte inzwischen deutlich höher gelegt haben, hält garantiert immer noch jeder den Atem an, wenn die Türöffneanimation den nächsten Schritt ins Ungewisse einleitet.

Als Jill Valentine und Chris Redfield von der Spezialeinheit STARS wird man in den Wäldern der Arklay Mountains nahe der Kleinstadt Raccoon City von einem Rudel mutierter Dobermänner angegriffen und kann sich gerade noch in einem verlassenen Herrenhaus verschanzen - optisch übrigens inspiriert vom Overlook-Hotel aus Shining. Doch leider ist das Gebäude auf einem geheimen Biowaffenlabor errichtet worden, aus dem nun Horden misslungener Experimente ins Freie drängen.

RE gilt als Genre-Gründer, ist aber streng genommen nur das erste Horror-Game dieser Art, das auf der Verpackung als Survival Horror klassifiziert wurde. Shinji Mikami hatte ursprünglich vor, einen Ego-Shooter aus dem Stoff zu machen. Aber die verkauften sich zu dieser Zeit in Japan schlecht. Also orientierte er sich an der in Alone in the Dark erprobten Kombo aus vorgerenderten Hintergründen (feste Perspektive) mit frei beweglichen 3D Protagonisten. Diese Einschränkung macht einen der wichtigsten Stimmungseffekte aus, da man immer das Gefühl hat, in die Enge getrieben zu sein, nie den ganzen Raum überblicken kann, aber die schlurfenden Schritte und das Stöhnen von nahenden Gegnern hört.

Seit Januar steht die überarbeitete Gamecube-Version (2002) in HD zum Download bereit. Wenn ihr es noch nicht gespielt habt, greift auf jeden Fall zu. RE1 hat damals die Welt der Grusel-Games graphisch und atmosphärisch aus den Angeln gehoben und auch heute noch ist es zu Recht in jeder Best-of-Liste dieses Genres ganz oben mit dabei. Das einzige was ein bisschen cheesy umgesetzt wurde, sind die Dialoge und die Filmsequenzen. Die treiben mir heute noch gleichsam vor Scham und Nostalgie die Tränen in die Augen, und wurden nicht umsonst in der Gamers Edition vom Guinnes Buch der Rekorde zu den "Worst Game Dialogues Ever" gewählt.
 

 

 

Resident Evil 2 (1998): Mikami, Schutzengel der Serie


Der beste Teil der Serie: Resident Evil 2
Capcom wollte direkt an den Erfolg von RE 1 anknüpfen und beauftragte Hideki Kamiya ein Sequel zu entwerfen. In seiner Version kehrten die Helden des ersten Teils zu den Ruinen den Herrenhauses zurück, um dort mutierte Pflanzenwesen zu bekämpfen. Shinji Mikami, Schöpfer der Serie, fand das zu langweilig und legte Veto ein, was in japanischen Unternehmen, die bei ihren Produkten viel mehr Wert auf Firmenkonsens legen, nicht unüblich ist. Kamiya sponn daraufhin eine Geschichte um Leon. S. Kennedy und Elza Walker, die letzten Mitglieder einer Spezialeinheit, die versuchen, den Ausbruch des Virus mitten zu stoppen. Ein Prototyp des Spiels, unter Fans als Resident Evil 1.5 bekannt, war bereits zu 60 bis 80 Prozent fertiggestellt, als Mikami erneut einschritt und seine Vorgesetzten  bat, die Produktion übernehmen zu dürfen - und sie willigten ein.

Leon hat es in Teil 2 geschafft, Elza nur in die Fanherzen
In seiner Version bricht nach einem Streit um die Forschungsergebnisse der Schurkenfirma Umbrella in einem Labor unter Raccoon City ein neuer Virus aus und eine ganze Stadt wird von Untoten übernommen. Schlechtes Timing für Leon S. Kennedy, der an diesem Tag seinen Dienst bei der Polizei antreten wollte. Gemeinsam mit Claire Redfield, die ihren verschwundenen Bruder sucht, heisst es nun die Überlebenden einsammeln und nichts wie weg.

Das Spiel war ein Riesenerfolg: Allein die PS1-Version verkaufte sich 5,7 Millionen mal. RE2 hatte abwechslungsreiche Endgegner, bahnbrechende Filmsequenzen, eine schlaue  Story und unterschiedliche Szenarien für die spielbaren Charaktere. Besonders toll: Fürs Durchspielen mit exzellentem Ranking gab es einen ultraharten Survival Modus bei dem sich Umbrella SpecOps-Soldat Hunk den Weg von der Kanalisation bis aufs rettende Dach der Polizeistation bahnen muss. Wer das hinbekam erhielt laut Maniac eine Tofublock mit Rambomesser für selbige Mission.

Monat für Monat habe ich mir am Hunk-Szenario die Zähne ausgebissen, immer wieder wütend das Spiel aus der Konsole gerissen und geschworen, den Titel nie wieder zu laden. Nach anderthalb Jahren flog Hunk dann endlich mit dem Heli aus der Stadt und es gab keinen Tofu dafür. Wie ich später erfahren habe, war der nur in der japanischen Version erspielbar... Ich liebe euch Capcom, aber fuck you, der sitzt immer noch. Trotzdem: Ich finde RE2 ist der beste Teil der Reihe. Und sollten die Hersteller tatsächlich eine grafisch überarbeitete Version für die neue Konsolengeneration herausbringen, bin ich der erste, der das Ding in den Einkaufswagen packt.

 

Resident Evil 3 Nemesis (1999): STARRSSS

 

Hat Beef mit den STARS: Nemesis
RE Nemesis spielt kurz vor bis kurz nach den Ereignissen von Teil 2. Jill Valentine, wegen der Zerstörung des Anwesens in den Arklay Mountains (RE1) von ihren korrupten Vorgesetzten vom Dienst suspendiert, will gerade die Stadt verlassen, als das Zombie-Chaos losbricht. Von einer Gruppe Soldaten erfährt sie, dass die Regierung plant, die gefallene Stadt mit einer Atomrakete auszulöschen. Der Countdown läuft also.

Resident Evil Nemesis ist vom Actionfaktor her eine tolle Weiterentwicklung des Spiels. Dem Zombiemob konnte man nur Herr werden, wenn man sich aus gefundenen Chemikalien Patronen mit mehr Power presste oder durch gezielte Schüsse auf Gasleitungen und Fässer ganze Gegnerhorden einäscherte. Außerdem jagte der Supermutant Nemesis, ein geradezu unbesiegbares Munitionsgrab, durch das ganze Spiel hinter einem her, was in vielen späteren Teilen übrigens ein wichtiges Terrorelement der Serie wurde.

Technisch hat das Spiel jedoch die meisten Fans enttäuscht. Mich nicht, denn ich ich finde, dass man muss ein Genre nicht im Jahrestakt revolutionieren, damit ich Spass daran finde. Sony hatte damals die Exklusivrechte für alle Resident Evil-Haupttitel und Capcom wollte jedes Jahr einen weiteren Teil der Serie herausbringen. Nur war aus der Playstation 1 graphisch einfach nichts mehr herauszuholen. Deshalb schufen sie im Prinzip einen Spinn Off von Teil 2 und betitelten ihn mit Resident Evil 3: The Last Escape, der dann bei uns als Resident Evil 3: Nemesis erschien. Mit Programmierern von SEGA bastelte das Capcom-Team parallel dazu für die leistungsstärkere Konsole Dreamcast den eigentlichen dritten Teil der Serie: Resident Evil Code: Veronica.



Resident Evil Code Veronica (2000): Capcom geht fremd - zum Glück 

 

Harter Horror: Gesundheitscheck bei Dr. Zombie
Mit Code Veronica entdeckte Capcom seine Vorliebe für größenwahnsinnige Superschurken, verabschiedete sich vom Setting in Raccoon City, dem exklusiven Release für die Sony Playstation und vorübergehend sogar von den vorgerenderten Hintergründen.

Wie in Teil 2 spielt man Claire Redfield, die auf der Suche nach ihrem Bruder Chris in die Pariser Umbrella Zentrale einbricht, gefangen genommen und in das Privatgefängnis der Firma auf Rockfort Island gebracht wird. Dort haben die Superintelligenzadelskinder der Ashford-Familie in sadistischen Experimenten einen neuen Virusstamm entwickelt, der natürlich ausbricht und die Insel in Dr. Moroes Biomonsterisland verwandelt.

Diesen Kracher gab es anfangs nur für die SEGA Dreamcast, den heimlichen Konsolenkönig seiner Zeit, der damals schon genug Power hatte, um den Survival Horror aus der vorgerenderten Perspektive zu befreien. Was der 3D Hintergrund-Pionier an Detailreichtum einbüßte, machte er durch  atmosphärische Settings und eine ausgeklügelte Story mit harten Schockeffekten wieder gut - letztere sind wohl auch der Grund, warum das Spiel bei uns bis vor kurzem noch auf dem Index stand. Leider konnte man trotz 3D-Umgebung bei gezückter Waffe nicht in die  Ego-Perspektive schalten und damit nicht wirklich besser zielen. Es gab fürs Durchspielen zwar einen Modus mit First Person Shooter Sequenzen, aber die waren grafisch noch zu schlecht und eben nur für einen Teil des Spiels programmiert worden. Deshalb kehrten die Nachfolgetitel auch erst einmal zur bewährten Pre-Rendered-Optik zurück. Die DC-Version gibt es immer mal für kleines Geld zum Downloaden und da sollten Serien-Fans nicht drauf verzichten. Wer einfach nur die Story in zeitgemäßer Grafik genießen will, kann sich auch den Railshooter Resident Evil: Darkside Chronicles holen.

Resident Evil Zero (2002): Bildungslückenschließer mit Player Zapping 

 

KI-Billy hat eine andere Muni-Sparpolitik
Mit dem Resident Evil Prequel schloss Capcom  die logischen Lücken der Serie. Hier erfuhr man, warum der Virus überhaupt ausbricht und wer die konkurrierenden Parteien in der Schurkenfirma Umbrella sind. Allein deswegen lohnt es sich schon, sich das Spiel anzuschaffen.

Rebecca Chambers, Chris Redfields Sidekick aus dem ersten Teil der Serie, jagt in den Wäldern nahe des Herrenhauses den entflohenen Sträfling Billy Cohen. Gerade, als sich die junge Sanitäterin in einem stehen geblieben Zug versteckt, rast dieser los. Mit an Bord sind nicht nur alle möglichen Kreaturen, sondern auch der gesuchte Mörder.

Das Prequel war der erste von drei (eigentlich) Exklusivtiteln für den Sony-Konkurrenten Nintendo. Der Spinn-Off sollte gleichzeitig mit Nemesis und Code Veronica für das Nintendo 64 herauskommen. Wegen der geringen Verbreitung der Konsole wurde das Projekt jedoch eingestellt. Erst als sich Nintendo mit dem Gamecube ein Stück vom Konsolenmarkt zurückeroberte, wurde Zero aus den Schublade gezogen und generalüberholt. Wichtigste Neuerung war das Player Zapping: Um zu überleben und bestimmte Rätsel lösen zu können, spielt man mal abwechselnd, mal gleichzeitig mehrere Personen. Ein Gimmick das übrigens eigentlich schon für Resident Evil 1 vorgesehen war, aber nie umgesetzt wurde. Leider stieß die KI des Partners schnell an ihre taktischen Grenzen, so dass dieser häufig zusah, wie man von Gegnern in die Zange genommen wurde oder die kostbare Munition in die Wände feuerte.

Im selben Jahr noch brachte Nintendo dann die Neuauflage von RE1 heraus, mit der gleichen Hammmergrafik übrigens wie Zero, 40 Prozent zusätzlicher Story und einem frech-harten Schwierigkeitsgrad: Zombies stehen darin immer wieder auf, es sei denn man hat Benzin, um sie anzuzünden. Aber es wäre ja nicht Survival Horror, wenn der Sprit nicht noch seltener wäre als die geliebte Muni.


->Zum zweiten Teil der RE-Reviews

Mein Resident Evil Ranking (Ohne Revelations 1)

 

1. Resident Evil 2
2. Resident Evil 1 (Remake)
3. Resident Evil 4
4. Resident Evil Revelations 2
5. Resident Evil 5 (Let's Team Up! PS-Network Name: Denki-Kawaraban)
6. Resident Evil Code Veronica
7. Darkside Chronicles
8. Resident Evil 3
9. Resident Evil Zero
10. Resident Evil Operation Raccoon City (Let's Team Up! PS-Network Name: Denki-Kawaraban)
11. Umbrella Chronicles
12. Resident Evil 6
13. Resident Evil Gun Survivor(1-4)
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Freitag, 30. Januar 2015

read it: Mister Aufziehvogel (orig. ねじまき鳥クロニクル) von Haruki Murakami

Mister Aufziehvogel ist der perfekte Einstieg in das fantastische Universum von Japans meistgelesenem Autor, Haruki Murakami. In dem Roman kündigt der 30-jährige Toru Okada seinen Job in einer Anwaltskanzlei, um zu verhindern, dass sein ereignisloses Leben weiterhin an ihm vorbeirauscht.  Von da an lebt er in den Tag hinein - bis sein Kater verschwindet. Toru macht sich auf die Suche und trifft eine Menge skurriler Persönlichkeiten, die ihm Wege in mystische Parallelwelten, die Vergangenheit und letztlich zu sich selbst aufzeigen.
 
Read it: Mister Aufziehvogel von Haruki Murakami
Murakamis Bücher sind immer ein besonderes Leseerlebnis: Es braucht keine drei Zeilen bis der Kopfkinoprojektor auf Hochtouren arbeitet - und schon kann man sich der Geschichte nicht mehr entziehen. Die Hauptfiguren sind meist sympathische Querdenker, die aus dem japanischen Alltag ausbrechen, erotische Abenteuer und menschliche Tragödien erleben. Es geht um Musik, Katzen und das Übernatürliche, was übrigens wie selbstverständlich hingenommen wird. Murakamis Erzählstil ist aber eher europäisch, weswegen ihn viele als westlichen Autor mit japanischer Seele charakterisieren.

Um Murakami kennenzulernen, ist Mister Aufziehvogel das perfekte Buch. Für jeden, der sich selber gerade in einer kleinen Lebenskrise befindet, bietet es zudem eine gute Mischung aus Denkanstoß und Aufheiterung. Der 766 Seiten starke Roman wurde 1995 als Dreiteiler veröffentlicht und ist die Ausarbeitung einer Kurzgeschichte, die Murakami bereits in den 80ern geschrieben hatte. Ein bisschen fühlt es sich manchmal auch so an, als wäre der Aufziehvogel eine Sammlung von Episoden, weil einige Kapitel und Handlungstränge scheinbar in eine Sackgasse münden. Aber lasst euch beruhigen: Am Ende macht alles einen Sinn und es gibt trotzdem noch genug Spielraum für wilde Interpretationen. Und wem der Stil gefällt, auf den wartet noch stapelweise Murakami-Lesestoff zum Schmunzeln, Grübeln und Traurigsein.

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Mittwoch, 14. Januar 2015

watch it: Alien vs. Ninja (orig.エイリアンVSニンジャ) von Seiji Chiba

2009 hat das frisch gegründete Filmlabel Sushi Typhoon angekündigt, "ausschließlich brutale Massenfilme" zu produzieren, "wie sie nur das japanische Kino hervorbringt". Was damit gemeint ist, zeigt ihre erste Deutschland-DVD-Veröffentlichung: Alien vs Ninja bietet Anime-reife Martial Arts-Kloppereien mit skurril-ekeligen Splattereinlagen, Gummi-Giger-Aliens mit Delphingesichtern und eine Tsunami an cheesy Japan-Humor.

Watch it with beer: Alien vs Ninja
Auf der Suche nach einem Film, der den Ninja-Spirit so gekonnt wiedergibt wie die Tenchu-Spielereihe, habe ich mir manchen Blödsinn ins Haus geholt (thx2 Godfrey Ho und Joseph Lai). Aber da sieben von zwölf  ‪‎Seiji Chiba-Filmen das Wort Ninja‬ im Titel haben, musste ich zumindest dessen größten Hit eine Chance geben, auch wenn der Titel klar macht, wohin die Reise geht.

Was für ein Signature Move!
AvN spielt Ende der Sengoku-Zeit (1477-1573), also wenn man so will im japanischen Mittelalter.  Eine Gruppe junger Ninja wird von ihrem Großmeister ausgeschickt, um einen Kometen zu untersuchen, der in den nahen Wäldern eingeschlagen ist. Dort erwartet sie schon eine Kreatur aus dem All, die den ein oder anderen schwarzen Gürtel unter der Latex überzogenen Jeans trägt und  den Großteil die Truppe ruckzuck in handliche Häppchen verarbeitet. Nur Yamata, Jinnai, Nezumi und die schöne Rin überleben. Jetzt will das Biest das Dorf der Ninja überfallen: Aber da hat es sich mit den falschen Typen angelegt.

Seiji Chibas Genremix aus Kaiju-Klopperei, Jidai-Eiga und J-Pop Splatter ist kein guter Film - aber er macht Spass und ist die Form von trashigem, gewaltverliebtem Asienkino, die ich in den letzten Jahren vermisst habe. Die Dialoge sind teils zum unter der Decke verkriechen peinlich, dafür sind die Kampfszenen, Charaktere und Gore-Effekte Hammer. Einen Partyboostfaktor liefert zudem die deutsche Synchro, die sich scheinbar seit den verbalen Trashbomben der 80er nicht weiterentwickelt hat.  Der Film erinnert an Kitamuras "Versus" oder Miikes "Fudoh the Next Generation" - kein Wunder, zumindest Letzterer wurde von Sushi Typhoon-Gründer Yoshinori Chiba produziert. Für Filmfestivals oder bierseelige Abende mit Freunden ist Alien vs Ninja großartig - fürs erste Date eher nicht. 

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Mittwoch, 17. Dezember 2014

watch it: Fist of the North Star (orig. 北斗の拳, Hokuto no Ken) von Hara Testsuo und Buronson

Eine Mad Max-Endzeitwelt, muskelbepackte Mattenhengste mit abgerissenen Ärmeln, minutenlange Martial Arts Gewalt und Trainingsszenen, die mit schnulzigen Rockballaden unterlegt sind: Fist of the North Star ist die Essenz der Jungs-Videoabende meiner Schulzeit - und mit 100 Millionen verkauften Exemplaren einer der 12 beliebtesten Manga aller Zeiten.

Watch it: Fist of the North Star
Wie viele 80er Comicmacher haben Hara Tetsuo (Zeichner) und der Ex-Soldat Buronson (Autor) die extrem pessimistische Zukunftserwartung ihrer Generation mit einer brutal-dystopischen Sci-Fi-Geschichte verarbeitet. Fist of the North Star spielt nach dem Atomkrieg im Jahr 2010 ;) Die Welt besteht nur noch aus Wüsten und Trümmerfeldern, Frauen, Kinder und Alte sind den plündernd umherziehenden Motorradgangs hilflos ausgeliefert. Doch dann taucht der Wanderer Kenshiro auf, optisch eine Mischung aus Bruce Lee und dem City Hunter Ryo Saeba (übrigens die Lieblingshelden der Autoren).

Kens Kampftechnik, ist das Hokutou Shinken, bei dem die Energiebahnen im Körper der Gegner mit gezielten Schlägen malträtiert werden bis diese von innen heraus zerbersten. So boxt er sich durch die Horden von Bullys, angetrieben vom Rachewunsch an seinem Mitschüler Shin, der ihm seine Verlobte nahm, und den übrigen Meistern der Hokutou Shinken-Kampftechniken, die ihre Gabe nur für üble Zwecke einsetzen.

Die Geschichte wurde von 1983 bis 1988 in der wöchentlichen Ausgabe von Shônen-Jump Grundschüler-Comics veröffentlicht. Bei uns musste man den Film zur Serie in der Pornoabteilung der Videotheken suchen. Zu Recht, denn Fist of the North Star ist arschbrutal, aber unterhaltsam. Um sich dem Thema zu nähern muss man vielleicht nicht gleich 27 Comic-Bände oder die 109 Folgen starke Serie anschauen. Aber zumindest dem Film (oder dieser OVA) sollte man eine Chance geben, am besten mit Guter-Laune-Bande und viel Bier.
Fist of the North Star ist eine Serie für echte Männer, die Accessoires brauchen,
wie diesen sprechenden Flaschenöffner in Form einer geballten Faust mit Nietenarmband
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Montag, 15. Dezember 2014

read it: Death Note (orig. デスノート) von Tsugumi Ōba & Takeshi Obata

Wie weit würde man gehen, wenn einem jemand die Macht über Leben und Tod verleiht? Würde man ablehnen, sich vielleicht den einen oder anderen Diktator vornehmen, oder eher einen Mörder und Vergewaltiger, den ein zu guter Anwalt rausgeboxt hat? Light Yagami steht im Manga Death Note vor der selben Entscheidung, als ihm das Notizbuch eines Todesgottes in die Hände fällt. Jeder, dessen Gesicht er kennt und dessen Namen er dort hineinschreibt, stirbt auf mysteriöse Weise. Der angehende Jura-Student beginnt daraufhin einen Feldzug gegen das Böse.

Read it: Death Note - Manga von Tsugumi Ōba & Takeshi Obata
Immer häufiger skriptet er tödliche Unfälle für Mörder, die in Fernsehberichten und auf Fahndungsfotos auftauchen. Bald glaubt niemand mehr an Zufälle und um den unbekannten Racheengel Kira (Killer) entsteht ein Kult von Gerechtigkeitsfanatikern. Nun sind ihm auch die ersten Ermittler auf seine Fersen und Light muss das Death Note nutzen, um der Todesstrafe zu entgehen.

Ohne Namen ist das Death Note nutzlos
Death Note ist im Prinzip eine typische Twilight Zone-Geschichte, die auch nach zehn Minuten mit einem moralischen Leberhaken hätte enden können. Aber Zeichner Tsugumi Ōba & Schreiber Takeshi Obata haben aus dem Stoff eine packende 108 Kapitel (12 Bände)-starke Thrillerserie gemacht, bei der man  spätestens mit dem Auftritt des genial-verschrobenen Sonderermittlers L für beide Seiten abwechselnd mitfiebert. Der düstere Gothik-Jugendmanga vom Shueisha-Verlag ging 26,5 Millionen mal über die Ladentheke und brachte 2003-2006 frischen Wind in Japans festgefahrene Comic-Welt. Lies Death Note einfach mal an! Und wenn du lieber binge-watchen willst, anstatt zu blättern, kannst du dir die Anime-Trickserie anschauen, die ist genial umgesetzt - im Gegensatz zu den drei Realfilmen (Gut gemeinter Rat: Finger weg davon).
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Donnerstag, 11. Dezember 2014

watch it: Tokyo Godfathers (orig. 東京ゴッドファーザーズ) von Satoshi Kon

Ein Trinker, eine alternde Drag Queen und eine Ausreißerin finden an Heiligabend zwischen den Müllsäcken ein Baby und machen sich auf die Suche nach der Familie der Kleinen. Ihre Reise führt sie in die entlegensten Winkel der Stadt, konfrontiert sie mit ihren Lebensgeschichten und lässt sie - wie es sich für die Zeit gehört -  das eine oder andere Wunder erleben - oder auch nicht.
Watch it: Tokyo Godfathers von Satoshi Kon
Regisseur und Drehbuchautor ist Satoshi Kon, Macher von Kracherfilmen wie Paprika und Perfect Blue. Obwohl das Fest der Liebe in Japan keine besondere Rolle spielt, hat er mit Tokyo Godfathers ein tiefsinniges, traurig-schönes Weihnachtsmärchen geschaffen, eine Hommage an eine wunderschöne Stadt und Japans liebeswerte Schattengesellschaft.

Der Film kam 2003 heraus und ist das dritte große Werk des Anime-Regisseurs, der vor wenigen Jahren leider an Krebs verstorben ist. Wie alle seine Filme ist Tokyo Godfathers bildgewaltig, atemberaubend gut animiert, ruhig erzählt und trotzdem actionreich - in jeder Hinsicht einer der besten japanischen Trickfilme, der besonders gut in die besinnliche Zeit passt. Watch it!

Wenn euch das Thema interessiert: Es gibt auch einen Denki-kawaraban-Beitrag über Leben von Obdachlosen in Japan.

Tokyo Godfathers Part 1eng sub von bluzzybear
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Mittwoch, 3. Dezember 2014

klick it: PinkTentacle.com von xxx

Wer die Betreiber von Pink Tentacle sind und warum sie kurz nach der Fukushima-Katastrophe so plötzlich das Posten eingestellt haben, weiss niemand. Die zahllosen Nachrufe im Netz zeigen aber, dass ich nicht der einzige bin, der deren skurrile Kunst und Tech-Newsartikel vermisst.
Klick it: pinktentacle.com
Pink Tentacle war jahrelang mein Lieblingsblog. Die Schwerpunkte Wissenschaft, TechnikKunst und Kultur klingen auf dem ersten Blick vielleicht etwas dröge, hatten es aber in sich: Die Texte waren extrem pointiert, lustig geschrieben und fantastisch recherchiert. Zu jedem Japan-Buzz-Thema wurde ein großer kultureller Bogen geschlagen und eine Gallerie mit meist eigenen Bildern geliefert.

Illustrationen aus uralten, markaberen Märchenbüchern, nerdige Werbekampagnen, Auszüge aus dem Kaiju-Anatomieatlas, Fotostrecken vom Bososoku Tuningtreffen: Wer den Blog im Abo hatte, wurde täglich mit der Nase auf Design-Meisterwerke gestoßen und bekam das Gefühl, genau zu wissen was in Japan gerade geht. Nutzt die Gelegenheit, solange die Seite noch online ist: PinkTentacle.com.
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Mittwoch, 19. November 2014

read it: Untergrundkrieg - Der Anschlag von Tokyo von Haruki Murakami

Am 20. März 1995 setzten religiöse Fanatiker der AUM-Sekte während der Rush Hour in fünf verschiedenen Tokioter U-Bahnlinien Saringas frei. 6.252 Menschen wurden damals teilweise schwer verletzt, 13 Menschen starben an den Vergiftungen. Haruki Murakami hat in seinem Buch Untergrundkrieg dokumentiert, wie Augenzeugen, Helfer, Opfer und deren Familien den Terroranschlag erlebten haben.
Read it: Haruki Murakamis Untergrundkrieg

Murakamis Untergrundkrieg ist ein Dokument des Terrors und menschlicher Abgründe. Sehr nahe am Schicksal der Beteiligten und dadurch teilweise schwer zu verdauen. Auf knapp 500 Seiten rekapituliert Japans populärster Romanautor anhand von Interviews die Ereignisse an jenem Morgen. In der 2. Hälfte des Buches kommen Mitglieder von Shoko Asaharas Seelenfängergemeinde zu Wort, erzählen, wie sie gebrochen, vergewaltig und versklavt  wurden, während der Führungskader um den göttlichen Erlöser einen Krieg gegen die japanische Gesellschaft führte. Ein fantastisches Buch um zu begreifen, wie viel Leid hinter ein paar abstrakten Nachrichtenzeilen steckt. Die Übersetzung von Ursula Gräfe ist wie immer fantastisch. Herausgeber ist der Dumont Verlag, das Taschenbuch erschien bei BTB.
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